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Brand, Max


Max Brand und sein Synthesizer
*26. April 1896 in Lemberg; † 4. April 1980 in Langenzersdorf (Österreich)

Max-Brand-Synthesizer
Heinrich Deisl
Max Brand: Max Brand Synthesizer

Jede Geschichte braucht ihre verlorenen Spuren. Der österreichische Komponist Max Brand kann durchaus einen Eintrag in der Liste »Ignorierte Visionäre« für sich verbuchen. In seinem Leben kam es zu zwei entscheidenden Einschnitten: Die futuristische Oper »Der Maschinist Hopkins« (1929) und die Zusammenarbeit mit dem Physiker und Ingenieur Robert A. Moog seit den frühen ’60er Jahren. Brand steht symptomatisch an der Schwelle zwischen der Zurückweisung romantischer Befindlichkeiten und dem Heraufdämmern elektronischer Musikproduktion.

1896 in Lemberg (Lìvov; Ukraine) geboren, übersiedelte Brand 1907 mit seiner Familie in die Hauptstadt der k.k.-Monarchie. Dort fand er sich nach Ableistung eines freiwilligen Militärdiensts im 1. Weltkrieg in einem Klima wieder, das von Futurismus und Musikern wie Ernst Krenek und Arnold Schönberg geprägt war. Brand schrieb sich in die Klasse von F. Schreker ein. Seine »Maschinenoper« »Der Maschinist Hopkins« nahm Elemente des Futurismus auf und setzte ihm das mythisch überhöhte Aufsteigerbild der USA im Deutschland der Roaring Twenties entgegen. Der fiebernde Techniktraum und das Paradigma von Bewegung und Beschleunigung ließ das Publikum in ähnliche Gefilde eindringen wie sie Walther Ruttmann mit »Berlin. Symphonie der Großstadt« zwei Jahre davor filmisch dargelegt hatte. »Hopkins« wird auch gerne mit Kreneks »Johnny spielt auf« aus dem selben Jahr wie »Berlin« vergleichen. »Hopkins« war in mehr als 40 Opernhäusern ein fulminanter Erfolg beschieden. Die Oper blieb allerdings das einzige Werk Brands, das sich finanziell rechnete. Mitte der ’30er Jahre fungierte Brand als Ko-Direktor der »Wiener Opernproduktionen am Raimundtheater« und war u.a. für die österreichische Uraufführung von Kurt Weills und Bert Brechts »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« verantwortlich.

Ab da wurde sein Leben unstetig. Als Abkömmling einer jüdischen Familie und als kommunistischer Sympathisant wurde er 1936 ausgewiesen und fand nach einem Aufenthalt in Prag in der Schweiz Zuflucht. Dann Paris, New York, schließlich Brasilien, wo er mit dem Komponisten Heitor Villa-Lobos zusammenarbeitete. In den ’50ern blieb dem Komponisten in den USA die Anerkennung verwehrt. Als er gegen Ende des Jahrzehnts mit Robert Moog zusammentraf, sollte sich daraus ein kreativer Quantensprung ergeben. Moog adaptierte seine Geräte entsprechend Brands Vorstellungen und lieferte ihm jene Basis, auf der er (und Moog selbst sicher auch nicht zu knapp) für einen der ersten Synthesizer aufbaute. 1959 komponierte er das Stück »Notturno Brasileiro«. Mit »Astronauten« (1962) drang er tief ins kosmische Klangverständnis ein und bannte Quasarnebelstürme auf Magnetband. 1975 siedelte sich Brand in Langenzersdorf/ Niederösterreich an und baute sein Studio (wieder mal) auf. Wegen dieser wechselvollen Historie sind viele Originale verloren gegangen, das verbliebene Tonmaterial im Archiv der Max-Brand-Stiftung umfasst lediglich circa 10 Stunden Musik.

Max Brand war wohl einer der ersten »Schlafzimmerproduzenten«. Er hatte sich seit den ’60er Jahren ein komplettes Heimstudio eingerichtet, zu dem der von Moog entworfene Prototyp der später legendären Moog-Synthesizer genauso gehörte wie eine Art Lichtorgel und diverse Aufnahmegeräte. In Langenzersdorf schottete er sich aus selbst gewählter Abstinenz heraus ab und residierte in seinem Studio inmitten seines Geräteparks. Vermutlich hatte er Kontakt zu den Größen seiner Zeit wie Oskar Sala und Herbert Eimert.

Als er 1980 starb, hatte Max Brand testamentarisch verfügt, dass eine Stiftung ins Leben gerufen und dass jährlich ein Preis an junge und innovative Elektronik-Komponisten verliehen werden sollte. Selbiges geschieht seit 1988. Das ehemalige Studio ist jetzt im Langenzersdorfer Hamak-Museum untergebracht, in dem ein Soundlabor und eine Bibliothek samt Fotos und Gebrauchsgegenständen eingerichtet wurden.

 
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