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Cahill, Thaddeus


Thaddeus Cahill
*1867 in Iowa; † 1934, New York

Telharmonium II
Heinrich Deisl
Thaddeus Cahill: Telharmonium

Das Telharmomium, praktisch der erste Synthesizer der Welt. 1897 patentiert und 1906 einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt, ganze 200 Tonnen schwer. Sein Erfinder: der amerikanische Tüftler Thaddeus Cahill. Cahill, 1867 in Mt. Zion in Iowa geboren und aufgewachsen in Oberlin (Ohio), wuchs zwar unter schweren familiären Verhältnissen auf, begann allerdings schon mit 13 oder 14 Jahren, sich mit musikalischen und Telefonanlagen zu beschäftigen. Sein erstes Patent meldete er mit 18 an, zahlreiche weitere folgten. Mitte der 1880er Jahre hatte er sich am Oberlin Conservatory of Music eingeschrieben, nachdem er von seinem Vater im Heimunterricht eine profunde Einführung in humanistische Grundlagen erfahren hatte. Schon früh zeigte sich seine außergewöhnliche Begabung für Mathematik. Cahills Forschungsinteresse galt besonders der Lautstärkenregelung, und das zu einer Zeit, als die Theorien von Hermann Helmholtz gerade dabei waren, sich in den USA zu verbreiten und man Dezibel als mathematisch beschreibbare Größe noch lange nicht erfasst hatte.

Seine Idee, Musik über Telefonleitungen zu distribuieren, kann für die damalige Zeit als revolutionär gelten. Mit der von den Cahill-Brüdern gegründeten »New York Electric Music Company« sollten derartige Konzerte möglich gemacht werden; Es handelt sich dabei um eine der ersten Ansätze zur kommerziellen Nutzung von Kabelnetzen. Im Nachhinein gesehen, war dieses Projekt zum Scheitern verurteilt, weil die damalige Telefon-Technologie noch weit davon entfernt war, den dafür nötigen Schalldruck zu erzeugen. So erklärt sich auch die unglaubliche Größe des Telharmoniums, an dessen Entwicklung Thaddeus Cahill an die zwölf Jahre investierte. Die auch als Dynamophon bekannte Orgelmaschine, in deren Patentschrift das Wort »synthesizing« vorkam und angeblich von seinem Bruder Arthur vorgeschlagen worden war, hatte die Ausmaße einer Kirchenorgel, basierte auf dem Prinzip des Zahnradgenerators und hatte keine Verstärker, sondern die Tongeneratoren wurden mittels Wechselstromgeneratoren betrieben. Wie viele seiner Zeitgenossen zerbrach sich auch Cahill darüber den Kopf, wie man mit einer musikalische Maschine ein Orchester ersetzen könnte. Immerhin wurden drei Telharmonien hergestellt. Ende der 1890er nach Washington gezogen, experimentierte er weiter an der Verbesserung seiner musikalischen Instrumente und an diversen Problemen der Schreibmaschine (Patent für die erste elektrische Schreibmaschine). Im Laufe der Jahre kamen fünf seiner Geschwister nach Washington und New York, wo die Cahills mit den ganz Großen ihrer Zeit wie T.A. Edison und A.G. Bell in regem Austausch standen.

Indes hatte sich das Telharmonium schon bald erübrigt: Zu umständlich war die Handhabung, der sprunghafte Anstieg technischer Innovationen auf dem Gebiet der Nachrichtenübertragung und der Klangmaschinen ließ das Telharmonium recht schnell recht alt aussehen und schließlich verlor auch das Publikum bald das Interesse an den dessen Klangcharakteristiken. Wegen seines Konzepts, Musik für öffentliche Räume bereitzustellen, gilt der 1934 in New York gestorbene Cahill ferner als Wegbereiter des »Muzak«.

 
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