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Hammond, Laurens


Hammond, Laurens
*11. Januar 1895 in Evanston, Illinois, USA; † 3. Juli 1973

Hammondorgel
Heinrich Deisl
Laurens Hammond: Hammondorgel

Von der Kirche auf die Hardrock-Bühne: Die Hammondorgel, ursprünglich ein Ersatz für die Pfeifenorgeln in den Kirchen, wurde in den ’70ern zu einem der meistgenutzten Instrumente überhaupt. Die Bandbreite reicht vom Rock bis zum Jazz, vom Wave bis zum Schlager. Wie bei so vielen derartigen Instrumenten, wurde sie nicht von einem Musiker, sondern von dem Erfinder und Ingenieur Laurens Hammond entwickelt.

Laurens Hammond, am 11. Januar 1895 in Evanston (IL) geboren, war ein amerikanischer Erfinder, der es im Laufe seines Lebens auf an die 110 Patente brachte. Zur Jahrhundertwende lebte er mit seiner Familie in Mitteleuropa, 1910 kamen die Hammonds in die USA zurück. 1916 graduierte Hammond an der Cornell Universität in New York und war anschließend als Konstrukteur für Marinemotoren in Detroit und für Uhren tätig. Sein 1920 bewilligtes Patent für den Uhren-Federrückzug machte in finanziell unabhängig und so konnte er, eine Woche nach seinem 39sten Geburtstag, 1934 das Patent für die Hammondorgel einreichen. Dazu war er von einem befreundeten Organisten und von den Kinoorgeln der damaligen Zeit angeregt worden. Die Orgel basierte auf dem von Hammond entwickelten Wechselstrom-Synchronmotor, hatte einen Generator, rotierende metallene Tonräder waren vor einen elektromagnetischen Tonabnehmer gelagert und durch die Form des Rades und durch eine Filterschaltung konnte ein fast perfekter Sinuston erzielt werden. Da der Generator nur 91 Frequenzen aufwies, war es nicht möglich, alle Tasten mit Obertönen zu versorgen. Die Orgel war auf den Kammerton a (440Hz) gestimmt. Zugriegel und Fußlager in Kombination mit Chorus, Vibrato, Percussion und einigen Effekten sorgten für eine reichhaltige Klang- und Geräuschevielfalt. Zusammen mit der von dem amerikanischen Erfinder Donald Leslie entwickelten »Leslie-Box«, einer Lautsprecherbox, die durch rotierende Reflektoren schwebende Effekte erzielte, war der Hammondorgel ein durchschlagender Erfolg beschieden. Dieser hatte sich allerdings schon bei Orgel-Präsentation im April 1934 und dann 1935 abgezeichnet. Das US-Patentamt verlieh ein weiteres Zertifikat, Henry Ford bestellte gleich sechs Orgeln und George Gershwin und Count Basie gehörten zur Liste prominenter Erstbesteller.

Von da an war der Siegeszug der Hammondorgel nicht mehr zu stoppen. Kleine Kirchen konnten sich nun ebenfalls eine Orgel leisten, wodurch sie für Gospel und in weiterer Folge für Jazz wichtig wurde. Durch Musiker wie Jon Lord, Keyboarder bei Deep Purple, kam der Hammond-Sound in die Hardrock-Musik. Während also die Hammondorgel in der populären Musik als Kirchenorgelersatz breite Verwendung fand, konnte sie der Pfeifenorgel in der Kirche nur wenig entgegensetzen. Heutzutage werden etwa von der japanischen Firma Suzuki nach wie vor Hammondorgeln gebaut, von Herstellern wie Korg, Oberheim, Clavia oder Kurzweil gibt es Geräte mit eingebauten Hammondorgel-Soundmodulen. Seit Mitte der ’70er kamen elektronische Orgeln auf den Markt und mit Software-Programmen (wie z.B. von Native Instruments) wird der typische »warme« Klang nachgestellt; Wie bei anderen paradigmatischen Sounds auch, ergibt sich bei der Digitalisierung ein anderes Klangmuster, das mit der speziellen Anschlagsdynamik und den Schwelltönen der echten Hammondorgel indes nur wenig gemein hat.

Laurens Hammond konnte es noch erleben, wie seine Orgel von Größen wie Ethel Smith, Rhoda Scott, Keith Emerson, Rick Wakeman (Yes), Ingfried Hoffmann, Richard Wright (Pink Floyd), Al Kooper, André Brasseur, Lou Bennett, Ray Manzarek (The Doors), Ken Hensley (Uriah Heep), Matthew Fisher (Procul Harum), Sly Stone oder Billy Preston gespielt wurde. Hammond, Zeit seines Lebens auch ein guter Geschäftsmann, starb am 3. Juli 1973. Nach wie vor gibt es MusikerInnen, die sich intensiv mit der Hammondorgel auseinandersetzen, wie z.B. Eddie Hardin (Spencer Davis Group) oder die Jazzorganisten Barbara Dennerlein. – Wie diese eindrucksvolle Liste nahe legt, ist wahrscheinlich wenig übertrieben, anzunehmen, dass die Hammondorgel zu einem der populärsten Instrumente überhaupt zählt.

 
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