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Protona GmbH


Heinrich Deisl
Protona: Minifon

Das Minifon hat eine außergewöhnliche Geschichte und passt sehr gut in die Zeit seiner Entwicklung während des Kalten Kriegs. Dieses unscheinbare Gerät wurde später zum Vorläufer des heutzutage standardmäßig in jedem Flugzeug eingebauten Flugschreibers. In den 1950er Jahren betrieb die aus Hamburg stammende Firma Protona GmbH, die später mit der Monske GmbH fusionierte, ein Unternehmen, das sich auf Tonspeichergeräte spezialisiert hatte. Heute ist nicht mehr klar, wie sich die Geschäftsbeziehungen dieser beiden Kleinunternehmen gestalteten, also wer für Entwicklung, Produktion und Vertrieb verantwortlich zeichnete. Beim Minifon, das in der fortlaufenden Serie P51-55 gebaut wurde, hatte man es mit einem Drahttongerät in Miniaturausgabe zu tun. Das ca. 1kg schwere und mit einer 30V-Batterie betriebene Gerät kostete damals an die 700DM, der Stahldraht war mit nur 0,09mm Breite haardünn. Anfangs war das Minifon noch mit Miniaturröhren aufgebaut, später bestand es aus Germanium-Transistoren. Die besseren Modelle hatten einen Schalter, mit dem man zwischen den beiden Geschwindigkeiten mit zwei Umdrehungen pro Minute für 300 Minuten Diktat oder für drei Umdrehungen pro Minute für 200 Minuten Musik wählen konnte. Das Minifon war also ursprünglich als Diktiermaschine konzipiert gewesen. Schließlich wurde vom Stahldraht auf Tonbandkassetten umgestellt, was das Minifon auch zu einem Vorläufer des Kassettenrekorders macht.

Ausgehend von der kompakten Handhabung des Minifon-Taschenrekorders, erfand der australische Techniker David Warren Ende der ’50er Jahre für das Aeronautical Research Laboratory in Victoria (AUS) ein stoß- und feuerresistentes Gerät zur Stimmen- und Instrumentendatenaufnahme. Das Gerät wurde in das Cockpit von Flugzeugen eingebaut (»Black Box«). Im Gegensatz zur Tonbandaufzeichnung widerstand die mit Stahldraht ausgestattete Black Box auch hohen Temperaturen bis zur Rotglut. Anfang der ’50er war es zu einer Serie von Abstürzen der damals hochmodernen »Comet«-Düsenflugzeuge gekommen: Mit der Black Box konnten nun einige Ursachen dieser Katastrophen rekonstruiert werden.

Weil das Minifon aber so klein und handlich war, wurde es gerne zu Spionagezwecken verwendet. Protona reagierte entsprechend auf diese neue Marktlage und brachte jede Menge kompatible Zusätze heraus. So gab es Modelle mit als Armbanduhr, Krawattennadel oder Füllfeder getarnten Mikrofonen, Telefonadapter inklusive Induktionsspulen und Schulterhalfter. Q, der geniale Erfinder aus den »James Bond«-Filmen, ließ sich sicher von der einen oder anderen Minifon-Variante inspirieren…

 
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