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Optigan Corporation


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Heinrich Deisl
Optigan Corp./ Mattel: Optigan

Das Optigan, das unterschätzte Musikinstrument schlechthin? Nun ja, besonders weit gediehen war die Reputation des Optigans unter der Musik-Fachschaft nicht. Schließlich war es Anfang der 1970er Jahre zuerst von Optigan Corp. und dann vom amerikanischen Spielzeuggiganten Mattel auf den Markt gebracht worden und richtete sich dezidiert an den Sing-along-Heimanwender. Außerdem wurden seine Sounds als derart »cheesy« beschrieben, dass es wohl nur einer bestimmten Liebhaber-Klientel vorbehalten war, sich eingehender mit dem Optigan zu befassen. Obwohl: In den drei Produktionsjahren wurden an die 100.000 Stücke verkauft. Ähnlich wie das Mellotron basierte das Optigan auf vorproduzierten, echten Aufnahmen, die im Unterschied zum Mellotron nicht auf Band, sondern auf 12-Inch- (also LP-) großen optischen Platten gespeichert waren. Daher auch der Name, eine Abkürzung aus »optical« und »organ«. Somit war das Optigan ein später Nachfahre der Lichttoninstrumente. Wie Robert Schmeltzer von synthmuseum.com schreibt: »Basically the Optigan is like a Mellotron aimed at the Grandma market.«

Das Optigan war eine für die damalige Zeit typische Heimorgel. Allein schon das Design mit all dem Plastik musste jedem aufrechten Musiker zu Kopf steigen; Trash-Fans dagegen waren mit dem Optigan bestens bedient. Man konnte sich Platten mit unterschiedlichsten Aufnahmen besorgen: Dazu gehörten Rhythmussektionen, Instrumente und auch seltsame Soundeffekte. Man schob die mit 57 konzentrischen Tonspuren versehene und von einer Photozelle abgetastete Platte in einen Slot und konnte sich selbst auf dem drei Oktaven umfassenden Manual begleiten. Die Disks hatten so »vielversprechende« Titel wie »Nashville Country«, »Latin Fever« oder »Polynesian Village«. Ein großes Problem des Optigans bestand darin, dass die Wiedergabegeschwindigkeit alles andere als stabil war. »In tune« mit anderen zu spielen, erwies sich also immer als Abenteuer. Aber es interessierten sich auch wirkliche Musiker für das Optigan, zumindest zeitweise. So geschehen bei »Beautiful World« (1981) der amerikanischen New-Wave-Band Devo oder bei Tom Waits auf »Franks Wild Years« (1987). Der Musiker und Produzent Steve Fisk verwendete auf seiner Cut-Up-Platte »448 Deathless Days« für das amerikanische SST-Label die ganze Bandbreite des Optigans. Man konnte sogar zwei Disks gleichzeitig hineinschieben oder eine verkehrt herum, wodurch die gesamte Begleitsektion rückwärts lief. An sich also ein Spitzengerät für Lo-Fi-Sound-Experimente...

1978 brachte Mattel übrigens ein weiteres Gerät auf den Markt, das sich »Bee Gees Rhythm Machine« nannte. Ein eineinhalb Oktaven umfassendes, monophones Keyboard, das aus Kuriositätsgründen deswegen zu erwähnen ist, weil es neben einem Stylophon auf der Nummer »Pocket Calculator« auf der Platte »Computerwelt« (1981) von niemand Geringerem als Kraftwerk verwendet wurde. Dafür hatte Ralf Hütter aber die auf der kleinen Kiste abgebildeten, Fön-verwöhten Konterfeis der Gruppe schwarz übermalen.

 
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