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Hönig, Heinz


Heinz Hönig
Heinrich Deisl
Heinz Hönig:

Nur allzu oft ist die Geschichte der Klangmaschinen eine Geschichte der mathematischen und technischen Tüftler, die komplexen Vorgänge, wie und warum etwas zu dem wird, was es ist, bleiben in den Kisten verborgen. Was manchmal auch sein Gutes hat. Aber wie Derartiges vermitteln? Dazu brauchte es Heinz Hönig, der in Graz 1965 an der damaligen Akademie für Musik und Darstellende Kunst ein Institut für elektronische Musik installierte und in den mittleren 70ern einen nach ihm benannten Synthesizer baute.

Heinz Hönig, 1929 geboren, absolvierte die technische Hochschule, die er mit einem Ingenieursdiplom abschloss, hatte sich indes seit seiner Jugend mit Musik beschäftigt. Seit Mitte der 50er Jahre war sukzessive die Bedeutung elektronischer Musik erkannt worden, große Firmen wie Siemens oder der WDR in Köln richteten entsprechende Studios ein. Am Grazer Institut dagegen konnte man nicht auf millionenschwere Unterstützung, die zur adäquaten Ausrüstung notwendig waren, zurückgreifen. Auch war Hönig, dem ersten Leiter des Instituts, von Anfang an dezidiert daran gelegen, Techniken und Geräte selbst zu erschließen. Unter dem Eindruck spannungsgesteuerter Synthesizer wie dem »Synthi 100« (EMS) oder dem »ARP 2500« stellte Hönig zwischen 1973 und 1977 seinen eigenen Synthesizer her. Als Professor nicht nur in Forschung, sondern besonders in die Lehre elektronischer Musik eingebunden, war und ist Heinz Hönig einer jener heimischen Pioniere, die sich um ihre Etablierung in Österreich verdient gemacht haben. Anders als etwa die von den Komponisten Karlheinz Stockhausen und Pierre Boulez initiierten Einrichtungen des WDR-Studio oder des 1978 in Paris eröffneten IRCAMs, konnten im Grazer Institut musikalische und kompositorische Anforderungen immer schon mit deren technischen Grundlagen kurzgeschlossen werden. Der große Vorteil des Hönig-Synthesizers ist sein didaktischer Zugang, an ihm lässt sich anschaulich vermitteln, wie Ton- und Steuerfrequenzen, Wandler, Hüllkurvengeneratoren, Sequencer, Stecksysteme und Kreuzschienenverteiler zusammenspielen und zu welchen Klangresultaten die jeweiligen Einheiten kommen. Der Hönig-Synthesizer arbeitete mit einer 12Bit-Übertragungsrate, was einen freiern Umgang als die mehr als zehn Jahre später entwickelten MIDI-Schnittstellen erlaubte. Auf eine Tastatur wurde verzichtet, stattdessen wurde in der Urversion der Synthesizer mit einem Hexadezimal-Manual angesteuert, später eine Computersteuerung implementiert. Bis Mitte der 80er war die Maschine, liebevoll „der Hönig“ genannt, zu Lehr- und Forschungszwecken in Verwendung. Neben den Kompositionsstudenten, die als Pflichtfach »Elektronische Musik« zu absolvieren hatten, beschäftigten sich »Hauskomponisten« wie Helmut Dencker eingehend mit Hönigs gut 70 Kilo schwerem Klangapparat.

 
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