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Martenot, Maurice


Maurice Martenot
Heinrich Deisl
Maurice Martenot: Ondes Martenot

Das Ondes Martenot, eine Erfolgsgeschichte aus Frankreich: Der von Maurice Martenot 1928 vorgestellte Apparat wurde zu einem der populärsten analogen, monophonen, elektronischen Musikinstrumente überhaupt. Einige der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts haben Stücke dafür schrieben. Martenot hatte eigentlich Cello am Pariser Konservatorium studiert und war im Ersten Weltkrieg als Funker eingesetzt, was wahrscheinlich sein Interesse an technischen Apparaturen initiierte. Nach einem Treffen mit Lev Termen 1923 ging er daran, das Ondes Martenot (französisch für »Martenot-Wellen«; ursprünglich »Ondes Musicales«, »Musikalische Wellen« genannt) zu konstruieren, am 2. April 1928 wurde es patentiert und noch im selben Monat an der Opéra de Paris der Öffentlichkeit präsentiert, neun Jahre später wurde Martenot bei der Pariser Weltausstellung der »Grand Prix de l’Exposition Mondiale« verliehen. Als wichtigste Interpretin des Instruments in den ’30er Jahren galt seine Schwester Ginette. Martenots dezidierte Intention war es, den Orchesterklang mit diesem Instrument zu bereichern, vermutlich wehrte er sich Zeit seines Lebens dagegen, dass sein Instrument zu »populistisch« würde. Wegen seiner Verdienste wurde Martenot 1949 zum Ritter und 1975 zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Das Ondes Martenot ist das einzige Instrument aus jener Zeit, das nach wie vor in Orchestern Verwendung findet.

Der Musikpädagoge, Funktechniker, Erfinder und Chellist Maurice Martenot wurde am 18. Oktober 1898 in Paris geboren. Die Zusammenkunft mit Termen scheint tiefgreifend gewesen zu schein, schließlich kaprizierte sich Martenot darauf, ein Gerät zu entwickeln, das in vielerlei Hinsicht dem Theremin ähnlich war. Das Ondes Martenot basierte wie das Theremin auf einem Schwebungssummer, verfügte über ein 7-Oktaven-Manual, dazu kamen zwei Glissandi, und, als besonderes Merkmal, drei Lautsprecher, die mit Saiten und Metallplättchen versehen waren. Somit umfasste das komplette Ondes Martenot vier Teile. Schon allein dadurch wird deutlich, dass mit dem Ondes Martenot nicht auf einen Massenmarkt spekuliert wurde. Martenot selbst war ab 1947 Professor am Pariser Konservatorium, wo er Unterricht für sein Instrument gab. Am 8. Oktober 1980, im hohen Alter von 82 Jahren, kam er bei einem Verkehrsunfall in Clichy ums Leben.

Für das Ondes Martenot wurden Stücke geschrieben u.a. von Olivier Messiaen (»Turangalîla-Sinfonie«, »Saint Francois d’Assise«), Edgar Varèse (»Nocturnal«) und Arthur Honegger (»Jeanne d’Arc au bûcher«). Seit den ’60ern, also gut 30 Jahre nach seiner Erfindung, wurde das Ondes Martenot auch im Pop-Zusammenhang verwendet. Der britische TV-Komponist Barry Gray trat damit eine Entwicklung los, die bis zu »Laurence of Arabia« und sogar »Mad Max« reicht. Aber auch Bryan Ferry (ex Roxy Music) verwendete für sein Album »As Time Goes By« (1999) das Ondes Martenot. Schließlich kamen Rockgrößen wie Nine Inch Nails, Sigur Ros und sogar die Red Hot Chili Peppers auf den Geschmack. Der derzeit wahrscheinlich prominenteste Ondes-Martenot-Spieler ist Jonny Greenwood von Radiohead. Auf ihren Platten »Kid A« (2000), »Amnesiac« (2001) und »Hail to the Tief« (2003) ist das Ondes Martenot prominent vertreten. Was hätte wohl Maurice Martenot, der anscheinend recht rigide die akademische Tradition der (neu-)klassischen Musik und der Musique Concrète vertrat, zu diesen Platten gesagt?

 
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