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Sala, Oskar


Oskar Sala und Alfred Hitchcock
Heinrich Deisl
Oskar Sala

Die Biografie von Oskar Sala führt in die Zeit der Synthesizer-Pioniere, der schier unbegrenzten Möglichkeiten neuer Klangeigenschaften und zukünftiger Maschinen. Neben Paul Hindemith und Friedrich Trautwein war Sala derjenige, der Berlin in den frühen 1930er Jahren für einige Zeit zu einer Art internationalem Epizentrum für elektrische Musik machte. Sala zeichnete auch für an die 300 Film-Soundtracks verantwortlich, die deutsche Band Kraftwerk berief sich dezidiert auf ihn als Vordenker ihres Sounds, und schließlich war Sala bis ins hohe Alter gerngesehener und verehrter Interpret auf dem Trautonium.

Oskar Sala wurde in eine Zeit hineingeboren, die aus deutscher Perspektive möglicherweise eine der spannendsten überhaupt war. Am 18. Juli 1910 im ostthüringischen Greiz geboren, führte ihn sein Weg nach seinem Abitur in Berlin im Zuge seines Klavierstudiums 1930 auf die dortige Musikhochschule, wo er mit Hindemith und mit Trautwein in Kontakt kam. Hierbei handelte es sich um eine mehr als glückliche Fügung, als Komponist, Ingenieur und Pianist aufeinander trafen. Die Begegnung mit elektrischer Musik war so tiefgreifend, dass er sich fortan praktisch ausschließlich mit dem von Trautwein entwickelten Trautonium auseinandersetzte. Noch im selben Jahr wurde das Trautonium mit von Hindemith komponierten Stücken der Öffentlichkeit vorgestellt, die Reaktionen blieben indes verhalten. Einig war man sich darüber, dass das Trautonium, indem es auf das althergebrachte Tastenmanual verzichtete und stattdessen eine stufenlos spielbaren Saite verwendete, einen wichtigen Innovationsschritt hin zu einer neuen Musik darstellte. Dies umso mehr, als dass mit dem Trautonium Klänge und Geräusche produziert werden konnten, die durch Sala später besonders im Kino Einsatz fanden. Ebenfalls 1930 konnte Sala seinen ersten großen diesbezüglichen Erfolg verbuchen: Der Film »Stürme über dem Montblanc« von Arnold Fanck wurde u.a. deswegen so bekannt, weil darin zum ersten Mal in der Filmgeschichte ein elektrisches Musikinstrument vorkam: Mit dem Trautonium stellte er Flugzeug- und Propellergeräusche nach. Er studierte dann von 1932 bis 1936 an der Berliner Humboldt-Universität Physik. Nachdem 1933 die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland ergriffen hatten und daran gegangen waren, elektrische Musik, deren Einrichtungen und ihre Protagonisten zurückzudrängen, war Sala zwar als Pionier geachtet, von offizieller Seite her stand man dieser neuen Musik aber gleichgültig bis ablehnend gegenüber. 1944 wurde Sala zur Wehrmacht eingezogen und hatte Glück: Durch eine Verletzung wurde er schon bald wieder dienstfrei gestellt. Nach dem Krieg entwickelte er das Mixtur- und das Konzerttrautonium. Das wohl berühmteste Beispiel für Trautonium stammt aus Alfred Hitchkocks »The Birds« (1961), bei dem das markerschütternde Krächzen der Vögel in seinem 1958 bezogenen Charlottenburger Studio produziert worden war. 1987 wurde Sala mit dem höchstdotierten deutschen Kulturpreis, dem vom Bundesfilmpreis verliehenen »Filmband in Gold«, für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Bis zu seinem Tod war Sala ein unermüdlicher Verfechter des Trautoniums. Immerhin war er einer der letzten, die ein originales Trautonium bedienen konnten. Ihm kommt das Verdienst zu, wie kaum ein anderer zur Popularisierung elektrischer Musik beigetragen zu haben. Er präsentierte »sein« Instrument überall, egal ob im Radio oder auf Kreismessen. Im wurde ein höchst virtuoser Umgang mit dem Gerät bescheinigt, auf dem er neben eigenen Kompositionen praktisch das gesamte Repertoire klassischer Klaviermusik und eben die Filmscores spielte. Oskar Sala starb hochgeschätzt am 27. Februar 2002 in Berlin Charlottenburg.

 
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