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Küchenmeister, Heinrich


Heinrich Deisl
Heinrich J. Küchenmeister: Ultraphon

Geniale Erfindung oder doch Humbug? Das Ultraphon des deutschen Konstrukteurs Heinrich J. Küchenmeister ist im Prinzip ein Plattenspieler mit zwei Tonarmen, in dessen rundem Kasten zwei um 90° gegeneinander verdrehte Schalltrichter montiert sind, die einen räumlichen Klang (Stereophonie) erzeugen sollen. Die Erstvorführung des Ultraphons im Berliner Hotel Esplanade 1925 soll ein großer Erfolg gewesen sein, ebenso die Präsentation des Geräts auf dem Frankfurter Festival »Musik im Leben der Völker« zwei Jahre später. Dem Ultraphon war dort sogar ein eigener Raum gewidmet. Indes waren und sind Fachpresse und Wissenschaft Küchenmeisters Ultraphon gegenüber höchst skeptisch eingestellt.

Das grundsätzlich Neue am Ultraphon, das auch Sprechmaschine genannt wurde, war die phasenverschobene Musikreproduktion. Um »Stereo aus der Monorille« (Peter Donhauser), also aus derselben Plattenrille ein zweites Signal zu destillieren, hatte das Ultraphon zwei Plattenarme mit Nadeln eingebaut, die über die mit 78 Umdrehungen/ min. laufenden Schellacks zogen und Verzögerungen von 1/10 – 1/20 sec. lieferten. Dieser, von Küchenmeister nebulös »Fülle« genannte Raumklangeffekt wurde bereits von der damaligen Fachpresse als »Pseudo-Raumwirkung« abqualifiziert. Küchenmeister scheint überhaupt das Problem gehabt zu haben, zwar recht füllig formulieren zu können, es aber im Gegenzug an harten Fakten missen zu lassen. Nach einigen, selbst von Eingeweihten als »metaphysisch« bezeichneten Presseaussendungen urteilte 1925 das Fachorgan »Der Radio-Amateur«: »Überhaupt scheint uns die gegebene physikalische Theorie nicht einwandsfrei.« Trotz allem wurde einige Zeit überlegt, inwieweit sich das Ultraphon für den Einsatz im Rundfunk verwenden ließe. Nach Heinz Schubert (»Historie der Klangaufzeichnung«, Deutsches Rundfunkarchiv, 2002) wurde die erste stereophone Aufzeichnung im Patent von Alan D. Blumlein im Dezember 1931 niedergelegt.

Heinrich Küchenmeister hatte bereits um 1922 die »Ultraphon-Gesellschaft« gegründet, eine Firma, die sich um die Auswertung der Sprechmaschinenpatente kümmerte. 1929 stieg die Firma auch ins Schallplattengeschäft ein, hatte kurzzeitig beachtlichen Erfolg, war bereits 1931 wie viele andere Unternehmen während der Weltwirtschaftskrise zahlungsunfähig und wurde von der Telefunken-Platten GmbH aufgekauft. Wie viele Exemplare des Ultraphons kursieren, ist nicht genau festzustellen. Es handelt sich dabei auf jeden Fall um eine ausgesprochene Rarität. Ein Ultraphon ist im Technischen Museum in Wien ausgestellt. Vielleicht hätte sich Küchenmeister um den einen oder anderen Design-Preis bemühen sollen; Denn ein hübsches, beinahe futuristisch anmutendes Möbel ist das Ultraphon allemal.

 
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