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Wurlitzer Company


Rudolph Wurlitzer Company
Heinrich Deisl
Rudolph Wurlitzer: Wurlitzer Sideman


Einen »Wurlitzer« kennt jeder: Die Jukebox, der selbstständig Platten abspielt, unterhielt Legionen von Teenagern und Gasthausbesuchern. Weniger bekannt ist, dass die Firma auch erfolgreich im Musikinstrumentenbau tätig ist. Die Kino- und Theaterorgel »Mighty Wurlitzer« aus der Stummfilmzeit oder das von 1955 bis 1982 gebaute »Electric Piano« stellen eine dieser Errungenschaften dar; Der zwischen 1959 und 1965 ausgelieferte »Sideman« gilt als die erste Beatbox der Elektronikmusikgeschichte. (Hinsichtlich der ersten Drummachine macht dem »Sideman« der Chamberlin »Rhythmate« diesen Verdienst streitig.)

Der »Sideman« war, wie der Name schon nahe legt, als rhythmusorientiertes Nebeninstrument zu den Wurlitzer-E-Klavieren entwickelt worden. Wenn das Rudolph Wurlitzer noch miterlebt hätte. Er entstammte einer Händlerdynastie aus Sachsen, die sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Rudolph Wurlitzer wurde am 30. Januar 1831 in Schöneck geboren, 1853 wanderte er in die USA aus und festigte dort seinen Ruf als Instrumentenhändler und Erfinder. Drei Jahre später wurde die Wurlitzer Company in Cincinnati (Ohio) gegründet, wo er am 14. Jänner 1914 verstarb. 1896 wurde das »Tonophone«, das erste münzbetätigte Klavier hergestellt, während des Zweiten Weltkriegs musste die Klavier- und Jukebox-Produktion größtenteils eingestellt werden, um kriegswichtige Produkte wie etwa Radarkomponenten zu fertigen. Danach erlebte die Wurlitzer-Jukebox, dieses »Orchester für den kleinen Mann«, noch einmal einen Boom.

Im »Sideman« kulminierten die praktischen Anforderungen Wurlitzers mit den Herausforderungen rhythmusbasierter Instrumente. Mit einem Wahlschalter in der Mitte des Geräts waren zwölf vorprogrammierte Rhythmen wie Tango, Walzer oder Foxtrott abrufbar, deren Tempo variiert werden konnte. Angetrieben wurde der »Sideman« von einem kleinen Motor, war in eine formschönen Holzverschalung eingefasst und das Innenleben war praktisch komplett mit Röhren ausgestattet. Der Motor drehte ein Rad, das an Kontaktpunkten vorbeilief und so bis zu zehn verschiedene Drum-Sounds generierte. Als Referenz war auf einem Pre-Set ein Metronom-Click eingebaut. Jeder perkussive Sound konnte mit zehn Knöpfen getriggert werden. Als der »Sideman« auf den Markt kam, wurde er von diversen Musikervereinigungen sehr kritisch beäugt. Immerhin fürchtete man um den Job des Schlagzeugers. Ganz zu Recht, wie sich in der Folge herausstellen sollte. Die Alleinunterhalter waren mit dem »Sideman« bestens bedient und spätestens durch die elektronische Tanzmusik – von HipHop bis Techno – schwang sich dieses dafür prototypische Rhythmusgerät vom Neben- zum Hauptinstrument hoch. Einer der bekanntesten Musiker auf dem »Sideman« war übrigens Tadashi Osanai, einer der Gründer der Firma Korg. Im Juni 2006 wurde Wurlitzer von der Gibson Guitar Corp. übernommen.

 
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