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Kempelen, Wolfgang


Wolfgang von Kempelen
Heinrich Deisl
Wolfgang von Kempelen/ Jakob Scheid: Sprechmaschine

Das älteste Exponat der Ausstellung »Zauberhafte Klangmaschinen«: Johann Wolfgang Ritter von Kempelen de Pázmánd hatte 1791 in seiner Schrift »Mechanismus der menschlichen Sprache nebst der Beschreibung einer sprechenden Maschine« die Sprechmaschine dargelegt, die mit einer naturgetreuen Nachbau der menschlichen Sprechorgane Stimmen erzeugen konnte. Kempelen, ein umtriebiger Erfinder, Konstrukteur und Staatsbeamter, hatte auch um 1770 den »Schachtürken« konstruiert.

Am 23. Januar 1734 war Wolfgang Kempelen in Pressburg geboren worden. Aus angesehenem Haus stammend, absolvierte er in Wien ein Studium der Philosophie und Rechtsgeschichte. Durch seine Mitarbeit bei einer Kommission zur Übersetzung des Gesetzestexts »Codex Theresianus« ins Deutsche wurde er Kaiserin Maria Theresia vorgestellt und ein paar Jahre später zum Hofkammerrat befördert. In dieser Zeit verdingte er sich als Landschaftsarchitekt im Banat und in Temesvar, wegen seiner Verdienste wurde er 1789 zum Ritter des Heiligen Römischen Reichs ernannt und mit einer stattlichen Rente ausgestattet, welche ihm allerdings kurz vor seinem Tod wieder entzogen wurde; Im selben Jahr wurde ihm übrigens auch die Ehrenmitgliedschaft der Wiener Akademie der Künste zuteil. Um 1770 hatte er eine Pontonbrücke über die Donau bei Bratislava konstruiert, um 1780 zwei Dampfmaschinen zum Bau des Franzenskanals aufstellen lassen und 1774 ein mobiles Bett für die an Pocken erkrankte Kaiserin gebaut. In diese Periode fällt auch der »Schachtürke«, eine mechanische Apparatur, die einen der Vorläufer des Schachcomputers darstellt. Während der bald europaweit bekannte »Schachtürke« über großen Unterhaltungswert verfügte, widmete er sich bei der Sprechmaschine der hehreren Wissenschaft. Am 26. März 1804 starb Kempelen in Alservorstadt/ Wien.

Seine Mechanik zur Hervorbringung menschlicher Sprachlaute gilt als bedeutende wissenschaftsgeschichtliche Entwicklung. Er hatte sich damit seit 1769 beschäftigt. Das ca. 5kg schwere, mit Luftbalg, Röhren und einem Rohrblatt ausgestattete Gerät simulierte die menschliche Stimmerzeugung, damit ließen sich Vokale und einige Konsonanten bilden. Da der Resonanzraum aber nur bedingt veränderbar war, konnten nicht alle Laute nachgebildet werden. Um diesen Mangel abzuschwächen, verpasste Kempelen seiner Sprechmaschine eine Kinderstimme. Seine Erfindung muss recht erfolgreich gewesen sein. So berichtet etwa Goethe von einem Nachbau und der britische Physiker Charles Wheatstone entwarf in den 1830er Jahren einen auf Kempelens Überlegungen basierenden Sprechapparat. In Saarbrücken, Amsterdam, Budapest und Paris existieren recht originalgetreue Kempelen-Maschinen. 2007 fand eine in Budapest und Karlsruhe abgehaltene Ausstellung statt, in der Wolfgang Kempelen als innovativer Erfinder gewürdigt wurde.

Es hat immer wieder Versuche gegeben, die Sprechmaschine nachzubauen. Aktuelle Beispiele dazu sind: Eine Adaption durch Brigitte Felderer/ Ernst Strouhal an der Wiener Universität für angewandte Kunst 2004 und 2007 von Jakob Scheid. Scheid, u.a. bekannt für seine selbstgebauten und rekonstruierten Klangmaschinen, war freies Mitglied bei Coop Himmelb(l)au, 1994 an der Gründung des Ateliers für experimentelles Design »Produktgestaltung« im Wiener WUK beteiligt und ist seit 1999 Lehrbeauftragter an der Angewandten. 2003 erfolgte die Rekonstruktion der Kempelen’schen Sprechmaschine für das Institut für Kulturgeschichte der Angewandten.

 
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