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Berliner, Emil


Emil Berliner
*20. Mai 1851 in Hannover; † 3. August 1929 in Washington, DC

Grammophon
Heinrich Deisl
Emil Berliner: Berliner Grammophon

Grammophon und Schallplatte, zwei Erfindungen, die die Musikwelt seit deren Entwicklung Ende des 19. Jahrhunderts bis heute geprägt haben. Auch bei CD und DVD wird das von Emil Berliner konzipierter Verfahren spiralförmiger Tonaufzeichnung auf runder Scheibe praktiziert. Berliners Grammophon ist der direkte Vorfahre des Plattenspielers. Die beiden sozusagen paradigmatischen Tools der Clubkultur stammen also von ihm.

Das Grammophon war dem Phonographen von Thomas Edison, der als Tonaufzeichnungsmedium Walzen benutzte, meilenweit überlegen, weil sich die Schellack-Platten zu einem erschwinglichen Preis reproduzieren ließen und weil sie in dem von Berliner entwickelten Seitenschrift-Verfahren geschnitten wurden. Dadurch wurde der Dynamikbereich wesentlich vergrößert und das Materialknistern verringert. Die Platte wurde nicht wie die Walze vertikal, sondern horizontal geschnitten. Berliner erhielt für diesen entscheidenden Durchbruch am 4. Mai 1887 das US-Patent, am 25. Oktober desselben Jahres fertigte er das erste Zink-Positiv. Diese hatten am Anfang kein Zentrierloch und auch die Möglichkeit, Etiketten darauf zu befestigen, kam erst später mit der Einführung der Schellack-Platte.

Bereits zehn Jahre vorher hatte Emil Berliner erfolgreich ein Patent für ein Mikrofon für Fernsprecher eingereicht, mit dessen Geld er sich ein Labor ausstattete. Am 20. Mai 1851 in eine begüterte jüdische Kaufmannsfamilie in Hannover geboren, wanderte Berliner 1870 in die USA aus, um dem preußischen Militärdienst nicht nachkommen zu müssen. Er lebte abwechselnd in Deutschland, Kanada und den USA. Zusammen mit seinem Bruder Joseph gründete er 1898 in Hannover die Deutsche Grammophon Gesellschaft, eine Zweigniederlassung der in London ansässigen Gramophone Company, wo die ersten Tonträger in Massenproduktion hergestellt wurden. Das Grammophon wurde per Handkurbel, durch ein Uhrwerk oder durch einen Elektromotor angetrieben. Wobei sich letztere Variante praktisch kaum durchsetzte. Bei den frühesten Modellen war die Schalldose direkt am Trichter befestigt und die Federmotor-Kurbel befand sich oben, weshalb das Grammophon oft liebevoll »Kaffeemühle« genannt wurde. Später wurde die Kurbel auf die Seite verlegt. Die Nadel war aus Stahl. Dies war wohl eines der größten Mankos dieser genialen Konstruktion, wenn man bedenkt, dass meist bereits nach einer Abspielung die Nadel wegen des hohen Gewichts der Schalldose zerschlissen war. Ab 1901 bekam das Grammophon etwa durch das sehr ähnliche »Zonophon« Konkurrenz, das dem Siegeszug dieses Geräts allerdings kaum etwas entgegenzusetzen hatte. Die goldenen Zeiten des Grammophons waren die »Roaring Twenties«. Emil Berliner, der am 3. August 1929 in Washington DC starb, konnte also diese Hochblüte noch erleben. Bis in die 1950er Jahre wurden auch Koffer-Grammophone gebaut, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Durch die verbesserte Transistorenverstärkertechnik wurde das Grammophon, das gut 60 Jahre den Markt beherrscht hatte, ungebräuchlich.

Für eine medientheoretische Auseinandersetzung mit dem Grammophon sei beispielsweise auf das Buch »Grammophon Film Typewriter« (1986) von Friedrich Kittler und für eine musikgeschichtliche auf »Last Night A DJ Saved My Life« (2006) von Bill Brewster/ Frank Broughton verwiesen.

 
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