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Welte & Söhne


Michael Welte
Heinrich Deisl
Edwin Welte: Welte Vorsetzer-Mignon


Auch wenn das Prinzip der automatischen Klangreproduktion zur Zeit der Erfindung der Welte-Klaviers etwa bei Drehleiern bekannt war, so verfügte das 1904 patentierte Klavier als erstes Gerät in der Musikgeschichte über eine plausible Reproduktion des Gespielten. Ihr Erfinder Edwin Welte hatte sich in den 1920er Jahren mit seiner Welte-Kinoorgel ebenfalls einen Namen gemacht. Wie in vielen ähnlichen Fällen, bescherten die Jahrzehnte vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten dem Freiburger Erfinder eine glanzvolle Zeit. Später sah er sich derart mit persönlichen und technischen Schwierigkeiten konfrontiert, dass er sich davon nicht mehr erholte.

Edwin Welte kam am 28. März 1876 in Freiburg im Breisgau zur Welt. Er war der Enkel des bekannten Spieluhrenherstellers Michael Welte; Vielleicht kamen daher seine Ambitionen sowohl für das Technische wie für das »Verspielte« beim Automaten. Nachdem er die Großherzogliche Realschule in Freiburg absolviert und 1897 geheiratet hatte, übernahm er 1900 zusammen mit seinem Schwager Karl Bockisch die von seinem Vater gegründete, auf selbstspielende mechanische Musikinstrumente spezialisierte Firma M. Welte& Söhne und meldete 1904 das Patent für ein Reproduktionsklavier an. Das Instrument benutzte Papier-Lochstreifen als Tonträger (»Noten-« bzw. »Klavierrolle«). Ein Jahr später begann die Produktion, 1912 wurde in New York eine Aktiengesellschaft gegründet. Das Welte-Mignon genannte Reproduktionsklavier war zwar exorbitant teuer, war aber so erfolgreich, dass eine Welte-Philharmonie-Orgel für Kirchen gebaut wurde und Musiker wie Paul Hindemith, Claude Debussy, Alexander Skrjabin, Edward Grieg, Gustav Mahler, George Gershwin, George Antheil (»Ballett Mechanique«), Gerhard Münch, Ignacy Paderewski oder Arthur Schnabel entweder Aufnahmen für die Klavierrollenstreifen machen ließen oder gar für das Welte-Mignon eigene Kompositionen schrieben. Wie diese eindrucksvolle Liste nahe legt, dürfte es sich bei dem Welte-Mignon um ein Klavier gehandelt haben, dessen Reproduktionsmechanismus höchsten Ansprüchen genügte, da damit auch die Anschlagsdynamik weitestgehend originalgetreu wiedergegeben werden konnte. Edwin Welte hatte sich ab 1925 der Kinoorgel zugewandt, die indes den wenig später auf den Markt drängenden, ähnlichen Apparaten nur wenig entgegensetzen konnte. Dazu kam, dass ab den frühen ’30er Jahren auch die Welte-Mignon wegen neuer Technologien wie Schallplattenspieler, Tonfilm und Rundfunk ihrer »Alleinunterhalter«-Funktion für den Hausgebrauch sukzessive verlustig ging und weiters mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen hatte, auch weil ihr Mechanismus äußerst kompliziert und ihr Einsatz wenig massenkompatibel war.

Den wohl größten Einbruch erlebte Edwin Welte ab 1936. Die Welte-Lichttonorgel war zwar an der Berliner Symphonie vorgestellt worden, da Welte aber mit einer jüdischen Frau verheiratet war, galt er als politisch unzuverlässig und so wurde der Vertrag mit der Telefunken für die Serienproduktion der Kinoorgel annuliert. Nach 1945 scheiterten dann so gut wie sämtliche Versuche, wieder Anschluss zu finden. Die letzte verbleibende Lichttonorgel war 1945 zerstört worden und Instrumente wie etwa die Hammondorgel hatten diese weit hinter sich gelassen.

 
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