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Pfleumer, Fritz


Fritz Pfleumer
Heinrich Deisl
Fritz Pfleumer: Magnetophon AEG K4

Von Zigarettenmundstücken zum Magnetband: Der Elektroingenieur und Erfinder Fritz Pfleumer kann für sich verbuchen, als Erfinder des Magnetbandes zu gelten.

Fritz Pleumer stammte aus einer Erfinderfamilie: Drei von fünf Kindern meldeten auf verschiedenen Gebieten regelmäßig Patente an. Am 20. März 1881 in Salzburg geboren, wohnte Pfleumer Ende des 19. Jahrhunderts in Dresden, wo er einen Abschluss als Elektroingenieur absolvierte, um nach Aufenthalten in London und Paris 1923 wieder dorthin zurückzukehren. Um 1927 war er für eine Dresdner Zigarettenfabrik damit beauftragt, einen haltbaren Überzug für Zigarettenmundstücke zu entwickeln, zusätzlich meldete er Patente u.a. zur thermoelektrischen Stromerzeugung an. Indes brachte ihm die Erfahrung, die er in der elterlichen Buchdruckerei gemacht hatte, auf seine folgenschwerste Erfindung. Dazu kam, dass er sich seit früher Jugend für magnetische Schallaufzeichnung interessiert hatte: Er verwendete Papierstreifen, die mit Stahlpulver gehärtet und mit Lack fixiert wurden. Bisher hatte am angenommen, dass der Schallträger massiv zu sein hatte und so waren seine Magnetbänder den bis dahin verwendeten Stahlbändern weit überlegen. Das dazugehörige »Patent DE 500 900« ging als »Grundpatent der Magnetogrammträger« in die Technikgeschichte ein, das darin beschriebene Verfahren wurde 1932 von der AEG lizenziert und später zusammen mit der I.G. Farben als »AEG Magnetophon« auf den Markt gebracht. In der zweiten Jahreshälfte 1927 dürfte er das Magnettonband erfunden und ein dazugehöriges Tonbandgerät gebaut haben. Das Band war 16mm breit und 1/40mm stark, hatte zwei Spuren für Hin- und Rücklauf, war 300m lang und reichte für eine Aufnahmezeit von 20 Minuten. Damit war Pfleumers Beitrag zur Magnetbandtechnik an sich abgeschlossen. 1937 konnte er noch einmal für einen kurzzeitigen Quantensprung sorgen, als er in einem britischen Patent das Beschichten von Magnetträgern mit Metalldampf (»bedampfen«) beschrieb.

Pfleumers Lautschriftträger hatte die besonders angenehme Eigenschaft, dass man das Papiertonband leicht schneiden und kleben konnte. Allerdings sah der österreichische Erfinder wohl vornehmlich den praktischen Nutzen: Anscheinend kam er nicht darauf, mit den Bändern selbst zu arbeiten, wie es im Film als Montage zu dieser Zeit lange schon Standard war. Immerhin erlaubte das Magnetband die kostengünstige Aufnahme von Klängen, Musik und Sprache, womit Pfleumer u.a. die technischen Möglichkeiten für die Musique Concrète und die in den frühen 1980ern praktizierte »Cassette Culture« vorwegnahm.

Über das Privatleben von Fritz Pfleumer ist wenig bekannt. Er dürfte wohl durch die AEG-Patente ein recht gutes finanzielles Auslangen gefunden haben. Er überlebte zwar den Bombenhagel auf Dresden, kam aber gut ein halbes Jahr später am 29. August 1945 unter mysteriösen Umständen bei einem Lastwagen-Unfall im Dresdner Vorort Radebeul ums Leben.

 
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